by franzfa

Roboter bald im Einsatz als Haustier?

Das digitale Zeitalter ist gerade erst in Fahrt gekommen. Viele technische Neuerungen werden die Gesellschaft weiter wandeln. Einer dieser Digitalisierungszweige ist die Robotik. Bereits jetzt werden in der Industrie vielfach Roboter eingesetzt. Mittlerweile sind Staubsaugerroboter, Rasenmäherroboter und sogar Fensterputzroboter auf dem Markt für den Verbraucher erhältlich. So hält langsam die Robotik Einzug in das alltägliche Leben des Verbrauchers. Kann sie auch Nutzen bringen?

Was wäre nun, wenn es Tierroboter gäbe, die auch als Haustierroboter als Familienhelfer ihren Dienst leisten? Sie könnten nicht nur Tierersatz sondern auch Helfer im Haushalt sein. Ist der Gedanke an eine staubfegende Miezekatze  -  oder der staubsaugende Robodog eine wunderbare Vorstellung? Das Roboterhaustier könnte auch  auf die Gesundheit ihres älterwerdenden Eigentümers achten und bspw. den Rettungsdienst rufen, sollte sich das Herrchen über eine längere Zeit regungslos am Boden befinden. Vielleicht spricht das Haustier mit seinem Halter?

Robotertiere schon jetzt im Einsatz?

Bereits Ende der Neunziger waren viele Jugendliche und Kinder damit beschäftigt, ein Tamagotchi zu pflegen.  Diese technischen Küken sollen den einen oder anderen Lehrer an den Rand der Verzweiflung getrieben haben, da natürlich  auch während des Unterrichtes gepflegt und gefüttert werden musste. Doch irgendwann verschwanden diese kleinen piepsenden Dinger wieder aus den Klassenzimmern. Auch „Aibo“, der Robodog von Sony, hat keine Erfolgsgeschichte zu verzeichnen. So wurde die Produktion des Roboterhundes vor zwei Jahren eingestellt und in diesem Jahr sogar die Möglichkeit diesen zu reparieren. Erfolgreich etablierte sich hingegen die  Therapierrobbe „PARO“ . Sie ist mittlerweile im weltweiten Einsatz. Die kleine weiße kuschlige Babyroboterrobbe hilft älteren Menschen sich wieder sozial zu interagieren und sich wohl zu fühlen.

Wie sehr stehen Roboter und Mensch sich nahe?

Studien zur Interaktion zwischen Mensch mit Robotertier legen nahe, dass mit einer zunehmenden Echtheit der Robotertiere die Halter zu diesen auch Emotionen aufbauen und sie sozial in das Familienleben einflechten, als wären sie normale Lebewesen. In einem in dem Journal of Social Issues veröffentlichten Artikel von Gail F. Melson, Peter H. Kahn, Jr., Alan Beck und Batya Friedman aus dem Jahre 2009  stellten diese ihre Untersuchungen einer Studie des Robodogs  „Aibo“ mit Kindern vor. Die Autoren kommen zu dem Schluss: “Finally, in situations where living animals are not allowed, (e.g., in intensive care units), robotic animals appear to have beneficial effects on children’s adjustment comparable to those of living animals (Yokoyama, personal communication). Robotic pets may ultimately have a place within the complex relationships that humans have with animals.” (1) Demnach können Robotertiere Kindern immer da als Ersatz für echte Tiere helfen, wenn diese nicht erlaubt sind oder Allergien einen Einsatz von Therapietieren ausschließen. Jean-Loup Rault, Wissenschaftler an der Universität Melbourne, bringt es in seinem  Artikel  über den Einzug der Roboterhaustiere bei den Menschen auf den Punkt: “The pace of artificial pet development, and underlying research, remains in its infancy with much to be discovered. At present, artificial pets can be described as mediocre substitutes for live counterparts. Yet, quick technological progress is to be expected, and this phenomenon raises many ethical questions. Are animals what make us humans? Or are we witnessing a leap into what domestication always was: to select animals to be perfect pets, with a need to update the definition of pets as an animal or an artificial device kept for pleasure? Animal welfare science, a field that emerged in the 1960s, will likely have to follow this radical change in our relation to animals.” (2)

Eine weitere wissenschaftliche Untersuchung von Julie Carpenter belegt die soziale Interaktion zwischen US- Soldaten und Bombenräumrobotern in ihrer 2013 veröffentlichten Dissertation. Die Untersuchungen legen nahe, dass wir als Menschen trotz des Wissens darum, dass es sich um technische Geräte handelt, eine soziale Bindung aufbauen.

Marian R Banks, Lisa M Willoughby, William A Banks kommen in ihrer Studie aus dem Jahr 2006 über den Einsatz eines echten Hundes und eines Roboterhundes in einem Altenheim zu dem Ergebnis, dass ein Roboterhund genauso gut trösten kann, wie ein echter Hund.  Sie führen als eines ihrer Ergebnisse auf: “We conclude that interactive robotic dogs can reduce loneliness in resident of LTCG and that residents become attached to these robots.”(3)

Wir können demnach unsere Augen nicht vor der Zukunft verschließen, da sich die Entwicklung schon  wohl nicht mehr aufhalten lässt. Die ethische Frage ist, ob und aus welchen Gründen den Robotertieren Einhalt gegeben werden sollte.

Rechtliche Herausforderung für die Zukunft mit den Roboterhaustieren ?

Wenn die  “Robopets” in unsere Haushalte Einzug halten, dann werden diese schon sehr viele Dinge können. Robodog ist nicht nur einfach Robodog, sondern er kommuniziert auch ständig mit anderen Geräten im Smarthome. Er kann Ton- und Bildaufnahmen machen. Er ist nicht nur eine Multifernbedienung und smarter Allrounder sondern vor allem ein Sicherheitsrisiko für den privaten Bereich in Sachen Datenschutz, Vermögen und Persönlichkeitsrecht des Anwenders.

Die rechtlichen Herausforderungen werden in den  vertraglichen Verflechtungen liegen. Hier können durch den zusätzlichen Einsatz von Freeware  Irrgärten der Haftung entstehen. Die Fragen der Verantwortlichkeit und der Beweislast werden im Einzelfall zu klären sein.

Letztlich wäre das Roboterhaustier nicht nur allein eine technische Maschine, sondern auch eine immer im Hintergrund laufende Software,  die eine ständige Dienstleistung anbietet. Welche Rechtsfolgen ergeben sich und wer haftet, wenn sich ein Dritter mit schlechten Absichten in das System des Roboterhaustieres einhackt und Schaden anrichtet oder Bespitzelungen vornimmt? Sollte das Roboterhaustier einen Schaden am Eigentum oder der Gesundheit des anderen Menschen anrichten, so würden die normale Haftung nach dem BGB gemäß § 823 und das Produkthaftungsgesetz relevant sein. Brauchen wir dann eine zusätzliche Versicherung für unsere Robotertiere? So ist zu vermuten, dass  eine Haftungsgemengelage zwischen Eigentümer, Anwender, Hersteller, Softwarelieferanten, und ggf. dem verletzen Dritten entsteht. Welche Sorgfaltspflichten treffen den Eigentümer des Robopets? Müssen regelmäßige Updates der Software durchführen um seiner Rechte nicht verlustig zu werden? Wie laufen Rückrufaktionen des Herstellers?  Es gibt viele Fragen. Die Antworten hierauf liegen in der Zukunft.

 

 

(1)   Gail F. Melson, Peter H. Kahn, Jr., Alan Beck und Batya Friedman:  Robotic Pets in Human Lives: Implications for the Human–Animal Bond and for Human Relationships with Personified Technologies, in: Journal of Social Issues, Vol. 65, No. 3, 2009, pp. 545–567.

(2)     Jean-Loup Rault:  Pets in the Digital Age: Live, Robot, or Virtual?  in: Frontiers in Veterinary Science, 2015; 2 DOI: 10.3389/fvets.2015.00011.

(3)   Marian R Banks, Lisa M Willoughby, William A Banks, Animal-assisted therapy and loneliness in nursing homes: Journal of the American Medical Directors Association (Impact Factor: 4.78). 04/2008; 9(3):173-7.

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