by franzfa

Lauschangriff im Kinderzimmer

Neue smarte Spielzeuge könnten das Kind permanent überwachen. Das von Google bereits im Jahre 2012 angemeldete Patent für den smarten Teddybär erscheint gruselig. Der Teddy soll nicht nur brummen können, sondern auch die komplette Hausanlage steuern können. Die eingebaute Kamera und das Mikrophon ermöglichen eine Dauerüberwachung des Kindes. Diese ist bei einem Kleinkind zu dessen eigenem Schutz sicherlich noch eine Überlegung wert, sollte aber sobald das Kind älter ist, zur Wahrung  seiner Persönlichkeit unterlassen werden. Der Google-Bär wurde berechtigterweise in der Netzwelt bereits als Chucky und Albtraum für den Datenschutz bezeichnet.

Nach einem Bericht von BBC teilte Google jedoch mit, dass das im Jahre 2012 angemeldete Patent noch nicht in der Umsetzung sei und, nach einer Sprecherin von Google, derzeit noch keine Entwicklungen oder Verkaufsabsichten seitens Google anstehen.

Die Medien waren bereits im Frühjahr dieses Jahres in hellem Aufruhr, als Mattel seine neue „Hello-Barbie“ vorstellte. Die schicke Blondine aus Plastik kann nicht nur  „Hallo“ zu ihrer Besitzerin sagen, sondern mit ihr “dank” WIFI-Anbindung eine komplette Konversation führen. Ausgestattet mit Mikrophon ermöglicht das geschminkte Datenschutzmonster die komplette Überwachung und das Aushorchen des Kindes. Noch völlig unklar ist, wie die Datenschutzreglements aussehen, wenn die Puppe auf den Markt kommt. Zweifelsohne finden sich für die erhobenen Daten und Informationen einer nicht absehbaren Vielzahl von Kindern unbedingte Begehrlichkeiten sowohl für die Eltern, wie natürlich auch für die Industrie. Nicht zuletzt liegt die Vermutung nahe, dass die Puppe immer einen trendigen Look haben will und das eine oder andere zum Kauf vorschlägt.

Kampagne gegen die Schnüffelpuppe

Die wohl ungefähr 75 $ teure Puppe hat in der Netzwelt im Frühjahr in Sachen Datenschutz zu einem Aufschrei geführt. Dies mündete in einer Petition gegen den Verkaufsstart der Puppe. Die “campaign for commercial-free childhold” hat bis  jetzt ca. 43 800 Unterstützer weltweit gefunden. So befremdend die Möglichkeit einer  Markteinführung von Roboterteddies und sprechenden Barbiepuppen sein mag, lässt sie sich aufhalten?  Das smarte Spielzeug wird sich wohl nicht stoppen lassen, auch wenn die Risiken für Datenschutz und Persönlichkeitsrecht des Kindes unabsehbar sind. Allein weil es da ist, wird es gekauft werden. Dann liegt es an den Eltern den richtigen und korrekten Umgang für sich und ihr Kind mit smartem Spielzeug zu erlernen. Ob das alle Eltern schaffen?

Schutzauftrag der Eltern für das Persönlichkeitsrecht ihres Kindes

Hier stellt sich  die Frage inwieweit seitens des Gesetzgebers vorgeschriebene Mitteilungs- und Aufklärungskampagnen durch die Hersteller selbst erfolgen müssen, so dass Persönlichkeitsrechtsverletzungen vermieden und der Datenschutz gewahrt werden kann. Ein schnelles Einschreiten des deutschen Gesetzgebers ist in Anbetracht der aktuellen Entwicklung aber utopisch.  So haben letztlich die Eltern als Schutzbefohlene ihres Kindes die Verpflichtung, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu wahren. Dies vor allem im Hinblick auf den Schutz des Persönlichkeitsrechtes des Kindes. Ein Interessenkonflik erscheint vorprogrammiert und unvermeidbar. Bei einer Interessenabwägung Informationsinteresse der Eltern gegen Persönlichkeitsrecht des Kindes wird im Einzelfall mit hoher Wahrscheinlichkeit das Recht des Kindes überwiegen. Zu befürchten ist aber, dass die Praxis anders aussehen wird. Vielleicht hilft dann nur noch ein unabhängiger Datenschützer für das Kind?

Dauerüberwachung eine Kindeswohlgefährdung?

Der Schutzauftrag der Eltern für das Persönlichkeitsrecht und den Datenschutz ihres Kindes wird von diesen leider oft nicht erkannt. § 1626 BGB schreibt betreffend der elterlichen Sorge: „Die Eltern haben die Pflicht und das Recht für das minderjährige Kind zu sorgen (elterliche Sorge). Die elterliche Sorge umfasst die Sorge für die Person des Kindes (Personensorge) und das Vermögen des Kindes (Vermögenssorge). [...]  Es ist die Verpflichtung der Eltern  gemäß § 1626 Abs.2  BGB, bei der Pflege und Erziehung die wachsenden Fähigkeiten und das wachsende Bedürfnis des Kindes zu selbständigem  verantwortungsbewusstem Handeln zu berücksichtigen.” Überschreiten die Eltern das Maß der Überwachung, so kann gemäß § 1666 BGB sogar eine Gefährdung des Kindeswohls vorliegen, die das Familiengericht zu einer Maßnahme veranlasst. Nach § 1666 Abs.1 liegt eine Kindeswohlgefährdung vor, wenn das körperliche, geistige oder seelische Wohl des Kindes gefährdet ist und die Eltern nicht gewillt oder in der Lage sind, die Gefahr abzuwenden.

Ist der Erziehungsstil der Eltern allein auf die fortwährende Überwachung ihres Kindes gerichtet und bekommt dieses Kind die ständige Überwachung und Überwachbarkeit zu spüren, so kann es sich im konkreten Einzelfall um ein nicht tragbares Erziehungskonzept handeln, was § 1666 BGB zuwider steht. Dies könnte auch der Fall sein, wenn die Eltern ihrem Kind durch Roboterpuppen und sprechende Barbies Kinderwünsche und Stellungnahmen entlocken, die es so gegenüber den Eltern nicht getätigt hätte und hierdurch letztlich das gesamte Familiengefüge zerüttet werden könnte.

Fazit

Demnach liegt es an den Eltern entweder derartigen technischen Errungenschaften gar nicht erst die Haustür zu öffnen oder, falls sich die Eltern nach sorgfältiger Abwägung dem Wunsch des Kindes nach einer solchen Puppe beugen, sollten sie mit dem Kind gemeinsam strikte Regeln aufstellen oder für sich im Vorhinein klar machen, dass sie ihr Kind trotz der Versuchung, die sicherlich groß sein mag, nicht dauerüberwachen. Letztlich würde eine derartige Anwendung in Bezug auf die Medienerziehung der Kinder auch einen schlechten Einfluss haben, wenn diese sich als Individuen von vorn herein in der Überwachung sehen würden und dies als normal akzeptieren. Hier tun sich Mariannengräben und Herausforderungen für die Ethik und die Moral in der digitalen Gesellschaft auf.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>