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Gespensterversand mit Wiederkehr

Der Kurznachrichtendienst Snapchat ist weiterhin im Visier der  US Federal Trade Commission (FTC). Die FTC setzt sich als US Behörde unter anderem für den Verbraucherschutz ein, um betrügerischen, irreführenden und unfairen Geschäftspraktiken zu begegnen.

Verfahren gegen Snapchat

Die Abteilung für Verbraucherschutz der FTC hat am 23.12.2014  die  Final Order gegen Snapchat bestätigt. Unter Auflagen ist es Snapchat nunmehr verboten falsche Darstellungen  über den Schutz der personenbezogenen Daten der Nutzer zu tätigen. Zusätzlich wurde das Unternehmen für 20 Jahre einem unabhängigen Datenschutzbeauftragten unterstellt, der die Auflagen der FTC überwacht.

Das Verfahren der FTC gegen Snapchat ist ein Teil der Bemühungen des Global Privacy Enforcement Network, in dem unter anderem auch Deutschland Mitglied ist, zur grenzübergreifenden Durchsetzung von Datenschutzanforderungen.  Der Fall um Snapchat wurde zudem mit den Asia Pacific Privacy Authorities koordiniert.

Verschwunden und doch noch da

Snapchat bietet einen mobilen Dienst an, die es Nutzern ermöglicht eine Foto- oder Videonachricht als „Snap“ bezeichnet zu versenden. Vor dem Senden der „Snap“ fordert der Dienst den Absender der Nachricht auf, die Zeit festzulegen während derer es dem Adressaten möglich ist die Nachricht anzusehen. Snapchat wirbt damit, dass die Nachricht nach Ablauf der durch den Nutzer festgelegten Zeit für immer verschwindet. Doch es gab bald Zweifel an der  Aussage des Kurznachrichtendienstes, dass die Bilder für immer verschwinden und nie zurückkommen können.

Das Electronic Privacy Information Center (kurz EPIC) hatte bereits im Mai 2013 als US Verbraucherschutzvereinigung eine Beschwerde gegen Snapchat bei der FTC erhoben, nachdem die EPIC festgestellt hatte, dass die Fotos von Snapchat von anderen noch angesehen und gespeichert werden konnten, nachdem sie eigentlich längst verschwunden sein sollten. Daraufhin hat die FTC Ermittlungen aufgenommen die zu einer im Mai 2014 erhobenen Klage der FTC gegen Snapchat führten. Die FTC klagte an, dass die Bilder tatsächlich nicht für immer verschwinden und Snapchat dies seinen Nutzern derzeit gar nicht garantieren könne. Durch Screenshots und andere Apps sei eine Speicherung der Nachrichten möglich. Zudem habe Snapchat auf die Kontaktdaten der Nutzer zugegriffen ohne diese hierüber ausreichend zu informieren.

Einigung mit Snapchat

In dem Verfahren kam es im Dezember 2014 zu einer Einigung zwischen der FTC und Snapchat die in der Final Order endete. Kurz zuvor hatten Hacker im Oktober 2014 hunderttausende Fotos aus Snapchat-Nachrichten online gestellt.

 

©Pro Juventute

©Pro Juventute

Sexting – Aufklärung bei Jugendlichen dringend erforderlich

Gerade Jugendliche verlassen sich auf  die Vergänglichkeit der Bilder aufgrund der Angaben von Snapchat und versenden Fotos,  die sie sonst nie versenden würden. Oft handelt es sich hierbei um Nacktfotos. Vor allem bei den Jugendlichen in den USA ist durch diesen Dienst das sog. Sexting als Nachrichtenart entstanden. Doch nicht nur in den USA ist diese Nachrichtenart beliebt, auch in Europa hat sich mit der Verbreitung von Snapchat das Sexting längst etabliert. Die Schweizer Kinderschutzorganisation Pro Juventute will die Jugendlichen aufklären und sie von einem unüberlegten Nachrichtenversand mit sonst weitreichenden Folgen abhalten. Hierzu wurde in der Schweiz durch die Kinderschutzorganisation eine Aufklärungskampagne gestartet. In Deutschland hat sich klicksafe.de dem Thema angenommen und informiert unter anderem mit einer Infobroschüre für Lehrer. Klicksafe.de ist eine Sensibilisierungskampagne zur Förderung der Medienkompetenz im Umgang mit dem Internet und neuen Medien im Auftrag der Europäischen Kommission. Eine in Österreich durchgeführte Studie deren Ergebnisse am 05.02.2015 veröffentlicht wurden, zeigt sehr deutlich, dass Sexting eine häufige Facette des Beziehungs- und Sexuallebens von Jugendlichen geworden ist: 51 Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren kennen jemanden, der oder die schon einmal Nacktaufnahmen von sich selbst an andere geschickt hat.  Aufklärung ist hier dringend notwendig!

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